Gaffen tötet! Anti-Gaffer-Projekt startet auf Fachmesse Florian

Pilotprojekt wird bundesweit ausgerollt und wissenschaftlich begleitet.

Berlin (ots) Auf der Messe Florian zeigen die Johanniter zum ersten Mal den großflächigen QR-Code auf einem Rettungswagen, der die technische Abnahme durch die DEKRA durchlaufen hat.

Der großflächige QR-Code zu „Gaffen tötet!“ auf einem Berliner Rettungswagen der Johanniter-Unfall-Hilfe. / Gaffen tötet! Anti-Gaffer-Projekt startet auf Fachmesse Florian / Pilotprojekt wird bundesweit ausgerollt und wissenschaftlich begleitet

Mit diesem digitalen Feature wollen die Johanniter dem täglichen Voyeurismus an Unfallorten Einhalt gebieten und damit Menschenleben retten. „Aber nicht mit Strafandrohung, sondern mit Aufklärung. Gaffer sollen ihr Verhalten überprüfen“, betont Jörg Lüssem, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Dazu setzt die Hilfsorganisation auf großflächige QR-Codes beispielsweise auf Rettungswagen. Erfasst das Smartphone eines Schaulustigen das Fahrzeug, erkennt die Kamera den QR-Code und schlägt eine Weiterleitung auf die Seite www.gaffen-toetet.de vor. Dort erscheint die Warnung: „Achtung! Gaffen tötet! Es kann Rettungskräfte behindern und zur Straftat werden.“ Außerdem finden sich auf der Seite kurze Verhaltenshinweise.

Die Johanniter verfolgen damit keine kurzfristige Effekthascherei. Vielmehr will die Hilfsorganisation aufklären und das Verhalten am Unfallort wissenschaftlich untersuchen. Unter die Lupe nimmt das fünfköpfige Team um Prof. Marisa Przyrembel von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften diverse Hypothesen aus der Notfall-, Sozial- und Motivationspsychologie. Die begleitende Studie soll nun die lange überfällige Zahlenbasis liefern. Ausgewertet werden die Klicks auf den QR-Code, Informationen der Einsatzkräfte vor Ort sowie die Umgebungsbedingungen. Dabei geht das Team der Johanniter-Hochschule folgenden Fragen nach: Wie viele Gaffer gibt es im Durchschnitt? Wie genau stören die? Inwiefern machen Gaffer die Rettungskräfte nervös? Wie stark werden diese von der eigentlichen Aufgabe abgelenkt? Ziehen viele Rettungsmittel oder ein Hubschrauber die Gaffer erst richtig an? Wann werden die „Zeugen“ zu Behinderern oder gewalttätigen Störern? Gaffen-toetet.de soll am Ende belegen, welches Vorgehen störendes Verhalten unterbindet oder Gaffer ganz abhält.

Aus Sicht der Fachleute ist Aufklärung und Selbstreflektion besser als Strafe, „denn hinter dem Gaffen verbergen sich zutiefst menschliche Züge“, betont Przyrembel: „Aus der Notfallpsychologie wissen wir: Es spielen viele Motive eine Rolle. Kaum jemand hat den Vorsatz, Menschenleben in Gefahr zu bringen. Menschen werden zu Gaffern, weil sie unbedingt das Video mit der ‚Sensation‘ aufnehmen wollen, oder auch, um mit ‚guter Absicht‘ das Geschehen zu dokumentieren. Zudem ist die Reaktion verständlich. Hat es irgendwo geknallt, möchte fast jeder wissen: Was ist los und muss ich meinen Stamm, meine Sippe in Sicherheit bringen? Evolutionsbiologisch war das ein klarer Überlebensvorteil.“ Einige beobachten, weil sie die Expertise der Rettungskräfte bewundern und „ihren Helden“ nah sein möchten. „Die Leute stehen aber tatenlos im Weg, weil das die anderen auch tun und niemand hilft“, erklärt die promovierte Psychologin Przyrembel: „Wir nennen das Verantwortungsdiffusion: Der sogenannte Bystander-Effekt führt dazu, dass jeder sich darauf verlässt, der andere werde schon richtig handeln. Mein Stück vom Verantwortungskuchen wird mit zunehmender Zahl der Anwesenden immer kleiner. Das sind gut erforschte gruppendynamische Prozesse.“

Zudem geht von einem Unfall eine „magische“ Anziehungskraft aus. Das belegen Eye-Tracking-Studien – also Laborversuche, bei denen die Augenbewegung ausgewertet wird: Im Schnitt sehen die Vorbeifahrenden 12 Sekunden zu. Niemand schaut nicht hin. Schon nach 2 Sekunden des „Gaffens“ werden durch die Ablenkung Folgeunfälle wahrscheinlich. Fast alle wissen, das ist sozial nicht erwünscht. „Deshalb bestreiten die Probanden das in direkten Befragungen“, ergänzt Przyrembel. „So haben solche ‚Erkenntnisse‘ kaum Aussagekraft. Hier wollen wir Licht ins Dunkel bringen.“

Auch, wenn die Motive nachvollziehbar sind, Gaffen ist kein Kavaliersdelikt. Schnell wird daraus eine Ordnungswidrigkeit nach § 113 OWiG oder Straftat nach den §§ 201a oder 232c StGB. Die Vorabbefragungen der Einsatzkräfte haben zudem ergeben, dass sie sich durch Beobachter und Kameras unter Stress gesetzt fühlen – auch eine zutiefst menschliche Regung, welche die Fehlerwahrscheinlichkeit steigert. „Selbst bei bester Ausbildung und intensivem Training steht hier das Wohl der Menschen auf dem Spiel“, unterstreicht Lüssem. Deshalb haben die Johanniter gemeinsam mit der Agentur Scholz & Friends überlegt, wie man diese „Störenfriede“ überzeugen kann, hilfreich zu sein. Klar war von Anfang an, das Rettungspersonal hat keine Zeit für pädagogische Vorträge am Einsatzort. Ihre Aufmerksamkeit gilt den Verletzten.

Das Pilot-Projekt läuft ein Jahr – bundesweit an 22 Standorten.

Als Interviewpartner stehen auf der Messe Florian am 7. Oktober, ab 12:00 Uhr bereit:

Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.: Kevin Grigorian, Notfallsanitäter und Bereichsleiter Rettung & Medizinische Dienste sowie Mitglied der Projektgruppe „Gaffen tötet!“

Akkon Hochschule für Humanwissenschaften: Prof. Marisa Przyrembel/Denis Martin, Wiss. Mitarbeiter

Bitte kontaktieren Sie uns für die Koordination der Interviews.

Den Stand der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. finden sie auf der Fachmesse Florian:

Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. , Halle 4/Stand B6, Freigelände P5, F70, Besuchszeiten: 09:00 – 17:00 Uhr

MESSE DRESDEN, Messering 6, 01067 Dresden, www.messe-florian.de/

Religionen sind nicht die Feinde der Wissenschaft

World Council ruft bei Konferenz in Lindau Religionsführende dazu auf, sich hinter Impfkampagnen zu stellen.

Lindau (ots)Niemals zuvor haben Religionen weltweit so eng zusammengearbeitet, wie das gegenwärtig der Fall ist“. Das betonte Rabbi David Rosen nach der offiziellen Geschäftssitzung des World Councils von Religions for Peace am Montagvormittag in Lindau am Bodensee. Die geschlossene Geschäftssitzung des World Councils leitete die „Conference of the World Council of Religious Leaders on Faith and Diplomacy: Generations in Dialogue“ ein.

Der US-Amerikaner Imam Mohamed Magid spricht mit der Inderin Vinu Aram, dem Kenianer Philbert Aganyo, der Deutschen Margot Kässmann und dem Filipino Renz Argao – allesamt Mitglieder des World Councils von Religions for Peace – zusammen mit dem Schweizer Gilles Carbonnier vom Internationalen Roten Kreuz in der Runde mit dem Titel: „Glaube, Diplomatie und öffentliche Gesundheit: Verwirklichung von transformativen Partnerschaften“.

Diese internationale Konferenz dreht sich um Glaubensfragen und diplomatische Angelegenheiten und findet von 4. bis 7. Oktober in der Lindauer Inselhalle statt. „Und wir haben auch die Verantwortung, zusammenzuarbeiten, um unsere Heimat zu beschützen, um das Wohlergehen der Menschheit zu verbessern und um eine bessere Welt für alle zu schaffen“, sagte Rosen – selbst Mitglied im World Council.

Nach der Sitzung gab der World Council als das wichtigste Entscheidungsgremium von Religions for Peace – bestehend aus 61 Religionsführerinnen und Religionsführern aus der ganzen Welt und aus allen Glaubensrichtungen – die Veröffentlichung einer Stellungnahme bekannt, in der sich die Mitglieder im Besonderen für Menschenrechte und weltweite Gerechtigkeit bei der Verteilung von Impfstoffen aussprechen. Niemand, so heißt es darin, darf aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Nationalität oder Religion diskriminiert werden.

Die Mitglieder des World Councils rufen in ihrer Erklärung außerdem Religionsführerinnen und Religionsführer auf der ganzen Welt dazu auf, sich hinter die wissenschaftlich erwiesene Wirksamkeit und Sicherheit von Impfstoffen zu stellen. „Wir haben die Verantwortung, um unseren Glaubensgemeinschaften zu vermitteln, dass Religionen nicht die Feinde der Wissenschaft sind. Wissenschaft und Religion sind essenzielle Partner für das Wohlergehen der Menschheit“, sagte Rosen stellvertretend für den World Council. Neben ihm gehören zum Gremium auch Margot Käßmann und Renz Argao, der Koordinator des Jugendnetzwerks von Religions for Peace. Die vollständige Erklärung wird am Donnerstag, 7. Oktober, am Ende der viertägigen Konferenz veröffentlicht.

Nach der Sitzung des World Councils fand die offizielle Eröffnungszeremonie der „Conference of the World Council of Religious Leaders on Faith and Diplomacy“ unter dem Motto „Generations in Dialogue“ statt. Prominente UN-Vertreterinnen und Vertreter schickten Videobotschaften. Filippo Grandi, Hoher Flüchtlingskommissar der UN, appellierte an die Integration von Geflüchteten: „Seid denjenigen Schwestern und Brüdern, die weniger haben, und nutzt die Kraft Eurer Jugend, Eure Energie und Kreativität, um auf Flüchtlinge zuzugehen und sie aufzunehmen.“ Die UN-Sondergesandte der Jugend, Jayathma Wickramanayake, forderte, dass jungen Aktivistinnen und Aktivisten der Zugang zu finanzieller Förderung erleichtert werden müsse. Und Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generalsekretär der WHO, dankte Religions for Peace dafür, dass Impfgerechtigkeit ein wichtiges Thema der Konferenz sei: „Initiativen wie diese machen einen Unterschied, weil sie den Dialog zwischen Menschen und Nationen anregen und Verständnis und Vertrauen fördern und nach Lösungen suchen“.

Neben vielen anderen zählten auch Gilles Carbonnier, Vizepräsident des Internationalen Roten Kreuzes, und Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der Evangelischen Kirche, oder die Sonderberaterin der Vereinten Nationen zur Verhütung von Völkermord, Alice Wairimu Nderitu, zu den Rednerinnen und Rednern.

Die Konferenz findet noch bis zum Donnerstag, 7. Oktober, in Lindau statt. 130 Personen, Rednerinnen und Redner und Mitglieder des Religions for Peace Netzwerks, sind persönlich vor Ort und etwa 1700 Personen verfolgen die virtuelle Veranstaltung über den Livestream und über die Videokonferenzen. Veranstaltet wird die Konferenz von der Lindauer Stiftung Friedensdialog der Weltreligionen und Zivilgesellschaft mit Unterstützung des Auswärtigen Amts. Das Programm der Konferenz liefert die in New York ansässige Nichtregierungsorganisation Religions for Peace mit ihrem globalen Netzwerk aus Glaubensgemeinschaften.

Web: ringforpeace.org

EinheitsEXPO in Halle: So schmeckt Sachsen-Anhalt – Marktplatz Sachsen-Anhalt präsentiert Unternehmen aus dem Land

Halle (S.) (ots) Zur EinheitsEXPO in Halle (Saale) konnten die Besucher auch ein Stück Sachsen-Anhalt zum Genießen mit nach Hause nehmen. Die Agrar-Marketing-Gesellschaft (AMG) war mit ihrer „Kulinarischen Sterne-Box“ vor Ort.

Marktplatz Sachsen-Anhalt präsentiert Unternehmen aus dem Land / Kulinarische Impressionen von der EinheitsEXPO 2021 in Halle (S.) // (c) Staatskanzlei / Daniel Baumann /

Und das mit Erfolg. Denn einige Besucher haben sich die Box gleich vor Ort gekauft. Anderen wollten es bequemer und haben sie im Internet bestellt. Dort gab es wesentlich mehr Bestellungen als üblich, war von der AMG zu erfahren. Sie zeichnet jedes Jahr Produkte aus dem Land mit den „Kulinarischen Sternen“ aus. Und die aktuellen Gewinner sind in der Box drin, zum Beispiel Traubensaftschorle, Sommerblüten-Honig, Fruchtaufstrich und Entenknackwurst.

Aber nicht nur den speziell ausgezeichneten Produkten aus der Sterne-Box hilft die AMG bei der Vermarktung. Sie hat ein spezielles Internetportal gestartet, den Marktplatz Sachsen-Anhalt. „Wir hatten die Idee schon, aber Corona hat es beschleunigt“, sagt Robert Faßhauer von der AMG.

Regionalen Unternehmen und Direktvermarktern bietet die Plattform nun die Möglichkeit, ihre Produkte weltweit bekannt zu machen und zu verkaufen. Übersichtlich aufgelistet sind hier die Lebensmittel-Unternehmen und Direktvermarkter aus Sachsen-Anhalt in verschiedenen Kategorien wie Wurst, Käse, Backwaren, Getränke, Aufstrich und Süßigkeiten. Über Links kommt man direkt zu den Online-Shops.

www.marktplatz-sachsen-anhalt.com

Alle Infos und weiterführende Inhalte finden Sie auf der Homepage zum Tag der Deutschen Einheit (https://tag-der-deutschen-einheit.de) und auf den Kanälen der Sozialen Netzwerke Facebook, Instagram, YouTube und Twitter. #TDE2021