Bundespolizeidirektion München: Schrecksekunde beim Entladen

Fünf Afghanen springen von Ladefläche – Schleuserspur führt wohl nach Osteuropa

Bruckmühl / Rosenheim (ots) Schrecksekunde für einen Lkw-Fahrer aus Bulgarien: Beim Entladen seines Aufliegers am Montag (7. Juni) in Bruckmühl (Landkreis Rosenheim) sind unvermittelt mehrere Personen von der Ladefläche gesprungen. Der 44-Jährige hatte offenbar keine Ahnung, dass er neben seinem Frachtgut auch Menschen transportierte. Bei den Mitfahrern handelt es sich um afghanische Staatsangehörige. Vier von ihnen sind noch minderjährig. Die Bundespolizei in Rosenheim geht davon aus, dass es sich um eine organisierte Schleusung handelt. Die Spur führt den Ermittlern zufolge nach Osteuropa.

Die Rosenheimer Bundespolizei ermittelt gegen eine Schleuserorganisation, die Migranten in Osteuropa auf Lkw-Ladeflächen versteckt. In Bruckmühl wurden fünf Afghanen, darunter vier Minderjährige, in einem Auflieger eines in Bulgarien zugelassenen Lastkraftwagens entdeckt. (Foto: Bundespolizei)

Der in Bulgarien zugelassene Lastkraftwagen sollte um die Mittagszeit im Bruckmühler Gewerbegebiet teilweise entladen werden. Die Ladefläche war bis auf wenige Zwischenräume mit großen verpackten Aluminiumteilen zugestellt. Nachdem der Fahrer den Anhänger geöffnet hatte, gaben sich die bis dahin verborgenen Personen zu erkennen und sprangen sogleich von der Ladefläche. Mitarbeiter der ortsansässigen Firma, für die diese Lieferung bestimmt war, beobachteten den ungewöhnlichen Vorgang und verständigten die Polizei. Bei den in Gewahrsam genommenen Personen handelt es sich eigenen Angaben zufolge um einen 44-Jährigen, der von seinem 13-jährigen Sohn sowie drei anderen Jugendlichen im Alter von 15, 17 und 17 Jahren begleitet wurde. Alle fünf erklärten gegenüber den Bundespolizisten, dass sie ursprünglich aus Afghanistan stammen. Dort hätten sie beziehungsweise Verwandte für die jeweilige „Reise“ nach Deutschland gezahlt. Pro Person wäre ein Schleuserlohn von 5.000 bis 6.000 Euro verlangt worden. Die etappenweise organisierte Tour führte unter anderem über die Türkei, Griechenland, Bulgarien und Rumänien. Zuletzt wären sie mitten in der Nacht zu einem Lkw-Auflieger mit geöffneter Plane gebracht worden. Darin sollten sie sich verstecken. Die Fahrt auf und zwischen der Ladung habe drei Tage lang gedauert, ehe der Anhänger wieder geöffnet wurde.

Der Lkw-Fahrer versicherte, nichts von den Personen auf der Ladefläche gewusst zu haben. Er konnte den Beamten belegen, dass er den Auflieger in Bulgarien vollständig beladen und verplombt übernommen hatte. Die Bundespolizei in Rosenheim geht davon aus, dass Schleuser den heimlichen Zustieg in Osteuropa organisiert hatten, während der Fahrer sich in einer Pause vom Fahrzeug kurzzeitig entfernt oder geschlafen hatte. Nachdem der bulgarische Berufskraftfahrer als Zeuge vernommen worden war, durfte er seine Fahrt fortsetzen. Der afghanische Vater wurde zusammen mit seinem Sohn einer Aufnahmestelle für Flüchtlinge zugeleitet. Die drei minderjährigen Afghanen konnten dem Jugendamt anvertraut werden.

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