Archiv der Kategorie: Tier- und Artenschutz

Gesundheitsrisiken durch Wildtiere gering

Frankfurt (ots) In Mitteleuropa gibt es keine durch Füchse oder Waschbären übertragenen Krankheiten, die ein nennenswertes Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung darstellen.

Das Risiko, durch Fuchs oder Waschbär angesteckt zu werden, ist in Europa äußerst gering. Bild: Timo Litters, Wildtierschutz Deutschland

Es sind fast ausschließlich Jagdverbände, die immer wieder gegen Fuchs, Waschbär, Marderhund und andere Beutegreifer hetzen. Die oft unsachliche, tendenziöse Kommunikation aus Teilen der Jägerschaft und ihrer Vertreter ist durchsichtig: Auf der Suche nach immer neuen „Alibis“ für die ökologisch sinnlose Jagd auf Beutegreifer wollen sie der weitgehend uninformierten Öffentlichkeit weismachen, dass es erforderlich sei, diese Tiere unter anderem deshalb zu jagen, um gesundheitlichen Schaden vom Menschen abzuwehren. Wie wenig belastbar diese Begründung für die Verfolgung von Fuchs und Co. ist, zeigt schon ein Vergleich der Risiken mit von Mensch zu Mensch übertragenen Viruserkrankungen.

In Deutschland sind durch Tiere übertragene Krankheiten – man spricht von Zoonosen – extrem selten. Die vom Fuchs durch einen Bandwurm übertragene alveoläre Echinokokkose ist eine meldepflichtige Krankheit und führt gemäß Robert-Koch-Institut in Deutschland zu etwa 40 Erkrankungen pro Jahr. Das sind in etwa so viele Menschen, wie hierzulande durch Jagdwaffen zu Tode (!) kommen. Die Echinokokkose ist eine der seltensten Zoonosen in Europa. Dagegen starben in der Grippesaison 2017/18 allein etwa 25.000 Menschen durch eine Virusgrippe!

In Deutschland gibt es seit etwa 90 Jahren Waschbären in der freien Natur, derzeit etwa eine bis anderthalb Million – Tendenz steigend. Wissenschaftler haben festgestellt, dass der überwiegende Teil dieser Tiere zoonotische Parasiten aufweist (LUX et PRIEMER 1995, GEY 1998, ROSATTE 2000, GEHRT 2003), unter anderem auch Spulwürmer. Durch die orale Aufnahme von mit Spulwurmeiern durchsetztem Kot oder entsprechend kontaminierter Erde kann sich auch der Mensch mit dem Waschbärspulwurm (Baylisascaris procyonis) infizieren. Das passiert aber eher selten, wie wissenschaftliche Studien (z.B. Michler & Michler, 2012, zum epidemiologischen Risiko des Waschbären in Mitteleuropa) oder auch das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit berichten.

Zahlen gibt es aus Nordamerika: 2018 wurden in den USA, einem Land mit einer Bevölkerung von über 330 Millionen Menschen, wo Waschbären nahezu flächendeckend vertreten sind, gerade mal 23 Infektionen diagnostiziert, von denen sechs zum Tod führten.

Wie viel gefährlicher sind da durch den Menschen übertragene Krankheiten: Alleine in den letzten zwölf Monaten (Stand Ende Dezember 2021) gab es in Deutschland über 85.000 Covid-19-Todesfälle. Das Robert-Koch-Institut berichtete 2019 von 400.000 bis 600.000 pro Jahr durch Krankenhauskeime eingefangenen (nosokomialen) Infektionen, die in 10.000 bis 20.000 Fällen zum Tode führen.

Selbst wenn die genannten Wildtiere für das Infektionsgeschehen in Deutschland bedeutend wären – was sie erwiesenermaßen nicht sind – könnte mittels der Jagd gar nicht gegengelenkt werden, eher ist das Gegenteil der Fall. Forschungen auf der einen (z.B. Comte S. et al (2017): Echinococcus multilocularis management by fox culling) und Praxisergebnisse auf der anderen Seite (zum Beispiel aus dem seit 2015 Fuchsjagd freien Luxemburg) belegen, dass z.B. die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm in intensiv bejagten Fuchsrevieren steigt, wohingegen sie ohne Jagd sinkt.

Man mag über Füchse, Waschbären und andere Beutegreifer denken wie man will. Sie – wie es die Jagdverbände machen – zu Risiken für unsere Gesundheit zu stilisieren, ist angesichts der tatsächlichen Gesundheitsrisiken ziemlich daneben. Auch sprechen Praxis- und Forschungsergebnisse dafür, dass die Jagd in diesem Zusammenhang die Risiken für uns Menschen eher erhöht.

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Über Wildtierschutz Deutschland e.V.:

Wildtierschutz Deutschland wurde 2011 gegründet und setzt sich seitdem gegen tierquälerische Jagdmethoden ein und für eine Reduzierung der jagdbaren Arten auf die Tierarten, für die ein vernünftiger Grund zur Bejagung im Sinne des Tierschutzgesetzes besteht. Außerdem engagiert sich der Verein für die Aufnahme, Versorgung und Auswilderung von in Not geratenen Wildtieren.

Mitbegründer des www.aktionsbuendnis-fuchs.de

WEB: www.wildtierschutz-deutschland.de
www.facebook.com/wildtierschutz

Neujahrsvorsatz „Weniger Fleisch essen“ – Was bringt es wirklich und wie viele Tierleben rettet mein Fleischverzicht?

Berlin (ots) Problematische Tierhaltung, hoher Ressourcenverbrauch und exzessive Antibiotika-Behandlungen – es gibt viele Gründe um sich vegetarisch zu ernähren. Viele Menschen nehmen sich zum neuen Jahr daher vor, weniger Fleisch zu essen. Doch was bringt der Fleischverzicht?

Neujahrsvorsatz „Weniger Fleisch essen“ – Was bringt ein veganer Januar (veganuary) wirklich und wie viele Tierleben rettet mein Fleischverzicht? / Online-Rechner zeigt Auswirkungen auf.

Ein Online-Tool zeigt an, wie viele Tiere für den persönlichen Fleischkonsum geschlachtet werden mussten und wie viel Antibiotika und Ressourcen für die Zucht eingesetzt wurden. Vegetarier und Flexitarier können ausrechnen, wie viele Tierleben gerettet wurden und wie sehr die Umwelt entlastet wurde.

Unter https://www.blitzrechner.de/fleisch kann berechnet werden, wie viel Futtermittel, Antibiotika und Tierleben für den eigenen Fleischkonsum notwendig sind. Standardwerte wie der durchschnittliche Fleischkonsum sind bereits vorausgefüllt, können aber einfach auf das eigene Essverhalten angepasst werden. So erhält jeder Verbraucher sein ganz persönliches Ergebnis. Zudem kann simuliert werden wie viele Ressourcen eingespart werden, wenn ein Teil der Fleischmahlzeiten durch eine vegetarische Alternative ersetzt wird.

„Diskussionen zwischen Vegetariern und eingefleischten Fleischessern werden häufig sehr emotional geführt. Die Argumente sind meist stark von den eigenen Wertvorstellungen geprägt und wenn überhaupt wird mit sehr allgemeinen Zahlen argumentiert. Zwar weiß jeder, dass für die Fleischproduktion Tiere gezüchtet und geschlachtet werden. Aber dem Stück Fleisch in der Pfanne sieht man die Auswirkungen auf die Umwelt nicht an. Der Fleischrechner lässt den Ressourceneinsatz und die negativen Folgen für die Umwelt greifbar werden.“, so Tim Lilling, Projektleiter von blitzrechner.de

In Literatur, Studien und Informationsangeboten finden sich häufig nur allgemeine Durchschnittswerte. Der Fleischrechner hingegen liefert jedem sein ganz persönliches Ergebnis. Ziel des Rechners ist es aber nicht, Verbraucher zu der einen oder anderen Ernährungsweise zu bekehren, sondern das eigene Handeln transparent zu machen. Verbraucher können dabei verschiedene Szenarien durchspielen: Was passiert, wenn ich mich weiter ernähre wie bisher? Wie viele Tiere können weiterleben, wenn jede zweite Mahlzeit fleischfrei ist? Wie wirkt sich das auf die Umwelt aus?

Über blitzrechner.de

Blitzrechner.de ist Deutschlands größtes Rechenportal rund um Verbraucherthemen und liefert Antworten auf typische Alltagsfragen. Wie viel Strom verbraucht mein Laptop? Wie berechnet man die Mehrwertsteuer? Wie werden Schuhgrößen oder Hosengrößen in internationale Maße umgerechnet? Und wie funktioniert eigentlich nochmal Prozentrechnung?

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Rekordsumme für bedrohte Panzerechsen „Zootier des Jahres“-Kampagne bringt mehr als 150.000 Euro ein

Berlin/Landau (ots) Ein Rekord-Erfolg für den Artenschutz: Die „Zootier des Jahres“ – Kampagne 2021 konnte erstmals mehr als 150.000 Euro erbringen. „Wir sind überwältigt, dass die diesjährige Kampagne diese unglaubliche Summe eingebracht hat“, sagt Dr. Arne Schulze, Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP). „Es ist die mit Abstand höchste Fördersumme, die wir seit Beginn unserer Kampagne im Jahr 2016 erreichen konnten.“ Die gesammelten Mittel fließen nun in effektive Schutzmaßnahmen für hochbedrohte Krokodilarten auf Kuba, auf den Philippinen, auf Borneo und in Nepal.

Krokodilnachwuchs im Kölner Zoo 2021 (Philippinenkrokodile)

Viele Krokodilarten gelten als gefährdet und sechs Arten werden von der Weltnaturschutzunion IUCN sogar als „von der Ausrottung bedroht“ eingestuft. Denn Menschen dringen bis heute immer weiter in die Lebensräume der Krokodile vor und töten sie, weil sie die Tiere als Gefahr für sich und ihre Haustiere ansehen. Ihr Fleisch und die Eier werden verzehrt, die Moschusdrüsen der Krokodile werden zur Parfümherstellung genutzt und weil Krokodile Fische fressen, gelten sie darüber hinaus als Konkurrenten der Fischer.

Zusätzlich dezimiert der Lebensraumverlust, etwa durch den Bau von Dämmen, sowie die zunehmende Wasserverschmutzung die Krokodilbestände. An den Rand der Ausrottung brachte die Krokodile jedoch insbesondere die wachsende Nachfrage nach ihrer Haut, weil die Modeindustrie anfing, daraus Handtaschen, Schuhe, Koffer, Gürtel und andere Waren herzustellen.

Dabei übernehmen Krokodile eine wichtige Rolle bei der Gesunderhaltung ihres Lebensraumes. Als große Prädatoren stehen sie an der Spitze der Nahrungspyramide und sind entscheidend für das ökologische Gleichgewicht. Da sie unter anderem Aas fressen, reinigen sie die Gewässer und anliegende Landflächen von Kadavern. Wenn sie jagen, haben sie es besonders auf schwache, verletzte und kranke Tiere abgesehen. Sie regulieren die Bestände räuberischer Welse oder Piranhas, die sich ihrerseits von für den Menschen bedeutenden Speisefischen ernähren. Zudem sind sie wahre „Ökosystemingenieure“, da sie Mangrovenwälder formen und erhalten, indem sie massive Unterwasserhöhlen und -kanäle ausgraben, die Wasserdynamik und essenzielle Mikrolebensräume schaffen, die wiederum Artenvielfalt ermöglichen.

Die bereits jetzt erkennbaren, negativen Auswirkungen auf die Ökosysteme in den Heimatländern der Krokodile machen ihren Schutz daher besonders wichtig.

Gustavo Sosa from the captive breeding facility in Zapata Swamp releases a Cuban Crocodile from captivity into the wild with actress Abril Schreiber (Wiederansiedlung von Kuba-Krokodilen in den Zapatasümpfen Kubas) /

Ausschlaggebend für den Erfolg der diesjährigen „Zootier des Jahres“-Kampagne war die enge Zusammenarbeit mit den zoologischen Gärten und deren rege Beteiligung. Mit ihrer guten Öffentlichkeitsarbeit betrieben sie wichtige Lobbyarbeit für die stark bedrohten Panzerechsen.

Neben ihrem Bildungsauftrag züchten Zoos zudem gefährdete Tierarten im Rahmen wissenschaftlich geführter Nachzuchtprogramme. Etwa das Philippinenkrokodil – eine mittelgroße Krokodilart, die in ihrem Heimatland, den Philippinen, von der Ausrottung bedroht ist.

Auf den Philippinen leben nur wenige genetisch getestete Tiere in den Zuchtstationen, wodurch der Europäische Zoobestand besonders wertvoll für den Arterhalt wurde, denn reinerbige Tiere sind eine Grundvoraussetzung für die Wiederansiedlung. Die Haltung der Tiere ist aufwendig und kompliziert. Hinzu kommt, dass Philippinenkrokodile erst mit 10 – 15 Jahren geschlechtsreif werden, was eine lange Generationsdauer zur Folge hat. Dies bedeutet, dass es viele Jahre dauert, bis eine stabile Population in menschlicher Obhut aufgebaut ist und an eine Wiederansiedlung gedacht werden kann. Seit Beginn der Zuchtbemühungen in Europa konnte die Anzahl durch Nachzuchterfolge in verschiedenen Zoologischen Gärten von anfangs 15 auf mittlerweile 51 Tiere erhöht werden.

Ende Dezember 2020 war es dann erstmals soweit: zwei Philippinenkrokodilnachzuchten aus dem Kölner Zoo, Partner der diesjährigen Kampagne, traten die Reise in ihr ursprüngliches Heimatland an. Sie werden auf den Philippinen ihren Beitrag dazu leisten, eine reinerbige Philippinenkrokodilpopulation zu gründen, mit dem Ziel der Wiederansiedlung im Siplas Naturschutzgebiet.

Mit der finanziellen Unterstützung durch die „Zootier des Jahres“-Kampagne werden dafür neue, sogenannte „soft-release“-Anlagen und eine weitere Nachzuchtstation direkt in dem Schutzgebiet gebaut. Zudem soll ein Zentrum für Umweltbildung, sowohl für Einheimische als auch für Touristen, entstehen und ein Konzept für nachhaltigen Tourismus in der Region umgesetzt werden.

Auch dieses Jahr schlüpften im Zoo Köln vier Philippinenkrokodile. Die jungen Krokodile werden etwa im Alter von zwei Jahren ebenfalls auf den Philippinen wiederangesiedelt, um dort die lokalen Populationen weiter zu stärken.

„Das ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie von Zoos koordinierte Erhaltungszuchtprojekte aktiv zu In-situ-Schutzmaßnahmen beitragen oder, wie in diesem Fall, überhaupt erst möglich machen“, sagt der Kölner Aquariumsleiter Prof. Dr. Thomas Ziegler, der auch Regionaler Vorsitzender der IUCN „Crocodile Specialist Group“ in Europa ist. Durch die gezielte Kombination von Nachzucht in menschlicher Obhut und gleichzeitiger Vorbereitung optimaler Lebensbedingungen im Ursprungshabitat, wird so das bestmögliche zum Schutz bedrohter Arten umgesetzt. „Ganz im Sinne des „One Plan Approaches“, der das effektive Zusammenwirken von In-situ- und Ex-situ-Maßnahmen und Expertengruppen empfiehlt.“

Auch das nächste „Zootier des Jahres“ wird die ZGAP wieder zusammen mit ihren Kampagnenpartnern, dem Verband der Zoologischen Gärten, der Deutschen Tierpark-Gesellschaft, der Gemeinschaft der Zooförderer und weiteren Tiergärten, Zoos und Verbänden Anfang des Jahres, genauer am 26. Januar 2022, im Zoo Landau verkünden.

Web: zgap.de

Der Kaisermantel ist der Schmetterling des Jahres 2022 – gesunde Mischwälder braucht das Land

Berlin (ots) Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Naturschutzstiftung des nordrhein-westfälischen BUND-Landesverbandes küren den Kaisermantel zum Schmetterling des Jahres 2022. Der größte mitteleuropäische Perlmuttfalter ist zwar noch ungefährdet, doch seine Lebensräume werden immer kleiner.

Tim Laußmann/BUND

Jochen Behrmann von der Naturschutzstiftung des BUND NRW: „Der Kaisermantel führt uns vor Augen, wie wichtig gesunde und naturnahe Wälder sind. Vielerorts beobachten wir einen Rückgang der Falterpopulationen. Triste Fichtenmonokulturen sind nicht nur für den Schmetterling des Jahres ungeeignete Lebensräume. Hier stehen die Bäume häufig so eng, dass nur wenig Licht auf den Waldboden fällt und kaum Pflanzen wachsen. Der Kaisermantel ist jedoch auf Bodenbewuchs angewiesen. Für den auffälligen Falter ist naturnaher lichter Mischwald der ideale Lebensraum. Zudem ist er wesentlich artenreicher und auch beständiger gegen Klimaphänomene. Auf den Flächen mit abgestorbenen Fichten sollte daher künftig besser Mischwald wachsen.“

Im Sommer bewohnt der Kaisermantel Waldränder und Lichtungen, wo er häufig an Disteln, Flockenblumen oder Skabiosen saugt. Anders als die etwas blasser gefärbten Weibchen zeigen die satt orangefarbenen Männchen breite Striche auf den Vorderflügeln, die „Duftschuppen“. Damit locken sie die Weibchen an. Diese legen nach der Paarung ihre Eier in geringer Höhe an Baumrinde ab, aber nur an Bäumen, die in der Nähe von Veilchen wachsen. Im Spätsommer schlüpfen die Raupen, fressen aber zunächst nur ihre Eihülle. Dann verbergen sie sich in Ritzen der Baumrinde, um zu überwintern. Erst im Frühjahr krabbeln die Raupen herunter auf den Waldboden und ernähren sich von den Blättern verschiedener Veilchenarten.

Mehr Informationen:

Zum Schmetterling des Jahres 2022: www.bund.net/schmetterling-des-jahres

Steckbrief des Kaisermantels:

Systematik:

Der Kaisermantel (Argynnis paphia) ist ein Tagfalter aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) und gehört dort zu den Perlmuttfaltern. Der Name Perlmuttfalter bezeichnet ein gemeinsames Merkmal dieser Falter: die perlmuttartig schimmernden Flecken auf der Unterseite der Flügel. Gemeinsam ist den Perlmuttfaltern auch eine orangefarbene Oberseite mit einem Muster aus dunklen Flecken. Zur sicheren Artbestimmung ist bei Perlmuttfaltern außer der Oberseite meist auch ein Blick auf die Unterseite hilfreich.

Verbreitung:

Der Kaisermantel ist eine euro-sibirische Art, ihr Verbreitungsgebiet reicht von Europa über die gemäßigten Klimagebiete Asiens bis nach Japan. In Deutschland ist die Art in allen Bundesländern vertreten, auch in allen Nachbarstaaten kommt sie vor.

Lebensraum:

Der Kaisermantel liebt offene, lichte Mischwälder mit reichhaltiger, aber nicht zu dichter Bodenvegetation, wo Veilchen als Futter für die Raupen wachsen und im Sommer eine reiche Blütenvielfalt Nektar für die Falter bietet.

Nahrung der Raupen:

Die Raupen des Kaisermantels sind hoch spezialisiert und fressen nur an Veilchenarten.

Beschreibung Imagines:

Der Kaisermantel macht mit gut sechs Zentimetern Spannweite und als größter mitteleuropäischer Perlmuttfalter seinem Namen alle Ehre. Mit der leuchtend orangefarbenen Flügeloberseite und dem schmalen, silbrig schimmernden Band auf der grünlichen Unterseite, der zu seinem weniger gebräuchlichen Namen „Silberstrich“ geführt hat, gehört er zu den schönsten und auffälligsten Tagfaltern im Hochsommer.

Männchen und Weibchen sehen für Laien erst einmal gleich aus, lassen sich jedoch bei genauem Hinsehen unterscheiden: Die Männchen sind oft strahlend orange gefärbt und besitzen breite Striche auf den Vorderflügeln, so genannte Duftschuppen. Die Weibchen sind meist gedeckter gefärbt und haben ausgeprägte dunkle Flecken auf den Vorderflügel-Oberseiten. Weibchen können auch grau-braun gefärbt vorkommen.

Nahrung der Imagines:

Wir treffen den Falter im Sommer an Waldrändern, auf Waldwegen sowie auf Lichtungen an, wo er an Disteln, Flockenblumen und Skabiosen saugt, daneben an Wasserdost und anderen Hochstauden mit vorzugsweise blauvioletten bis weißlichen Blüten. Doch auch Blüten von Brombeeren sind beliebt, und das sind längst nicht alle Pflanzen, die als Energiequelle dienen können. Zum Nektarsaugen kann der Kaisermantel bis in Parks und Gärten im Siedlungsbereich vordringen.

Generationen:

Der Kaisermantel bildet eine Generation im Jahr mit Hauptflugzeit im Juli und August aus. Die Flugzeit beginnt in der Regel im Juni und klingt im September aus.

Lebenszyklus:

Mit dem speziellen Duft ihrer Duftschuppen betören die Männchen die Weibchen im Flug. Nach der Befruchtung suchen die Weibchen im Wald Baumstämme auf, an deren Rinde sie in geringer Höhe ihre Eier ablegen. Wichtig ist, dass in der Nähe des Baums Veilchen wachsen, möglichst in beschatteten Bereichen. Daher untersucht das Weibchen den Lebensraum sehr intensiv, bevor es zur Eiablage kommt. Nur in geeigneten Habitaten hat der Nachwuchs eine Chance.

Die Raupen schlüpfen bereits im Spätsommer, fressen aber zunächst nur ihre Eihülle und verbergen sich dann in Ritzen der Baumrinde, um zu überwintern.

Im zeitigen Frühling erwachen die Räupchen aus dem Winterschlaf und krabbeln auf den Waldboden, um dort die Blätter verschiedener Veilchenarten zu fressen. Meist fressen die Raupen nur nachts und werden daher selten beobachtet.

Die erwachsenen Raupen verpuppen sich im Frühsommer und entlassen den Falter je nach Witterung ab Juni.

Gefährdung/Rote Liste:

Nach der Roten Liste von 2010 gilt der Kaisermantel in Deutschland als ungefährdet, mit zwar dem kurzfristigen Bestandstrend einer Zunahme, jedoch langfristig einem Rückgang. Dazu passt, dass der Kaisermantel etwa in Nordrhein-Westfalen auf der Roten Liste von 2020 nicht mehr auf der Vorwarnliste geführt wird, da er in einigen Landesteilen in den letzten Jahren häufiger beobachtet werden konnte, auch wenn er in anderen Landsteilen unverändert gefährdet ist.

Die Einstufung als ungefährdet ist also kein Grund zur Sorglosigkeit – auch Waldarten wie der Kaisermantel stehen in Deutschland unter Druck, weil geeignete Lebensräume knapp geworden sind.

Web: bund.net

Keine Antibiotika mehr im norwegischen Lachs: Ein Erfolg der Lachszucht

Hamburg (ots) Die Weltantibiotikawoche, die durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiiert wurde und jährlich im November stattfindet, dient dazu, auf die weltweite Bedrohung unserer Gesundheit durch den übermäßigen Einsatz von Antibiotika aufmerksam zu machen.

Lachs in norwegischer Aquakulturen

Ziel ist es, eine weitere gefährliche Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika zu vermeiden. Die WHO hat diese Resistenz als eine der zehn größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit der Menschheit eingestuft, und die Lebensmittelindustrie trägt eine große Verantwortung, Lösungen für das globale Gesundheitsproblem zu erarbeiten.

Norwegische Lachs-Aquakultur

Die norwegische Lachszucht als Teil der Lebensmittelindustrie ist weltweit Vorreiter auf diesem Gebiet und trägt schon seit vielen Jahren dazu bei, das Problem aktiv zu bekämpfen: Seit Mitte der neunziger Jahre wurde der Bedarf an Antibiotika durch den wirksamen Einsatz von Impfstoffen fast vollständig beseitigt. Der jüngste Jahresbericht zum Einsatz von Antibiotika zeigt, dass in der norwegischen Lachszucht weniger Antibiotika eingesetzt wurde als in jeder anderen Tierhaltung. Im Jahr 2020 wurden demnach 99 Prozent des norwegischen Zuchtlachses ohne jeglichen Einsatz von Antibiotika produziert. Auch die jährlichen Untersuchungen des unabhängigen Instituts für Meeresforschung ergaben, dass im norwegischen Lachs keine Rückstände von Antibiotika zu finden waren. Die WHO hat die norwegischen Bemühungen zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Fischzucht anerkannt und gewürdigt.

Leben für das Sonderangebot: ZDF-„37°“-Reportage „Täglich ein Tier“

Mainz (ots) Die ZDF-„37°“-Reportage „Täglich ein Tier“ von Manfred Karremann gibt am Dienstag, 9. November 2021, 22.15 Uhr, einen exklusiven Einblick in die Welt der Fleischproduktion. Der „37°“-Film „Täglich ein Tier. Leben für das Sonderangebot“ steht am Sendetag ab 20.00 Uhr in der ZDFmediathek zur Verfügung.

Hähnchenmast: Millionen Tiere werden jede Woche in einem einzigen Betrieb „produziert“.

Millionen Küken werden jede Woche in einem einzigen Betrieb „produziert“, Millionen Hähnchen werden nach einer kurzen Mast von nur vier bis fünf Wochen geschlachtet. Die Zucht und spezielles Futter machen das möglich. Mehr, schneller, billiger ist noch immer die Devise, denn der Geflügelfleischkonsum in Deutschland hat sich seit den 1990er-Jahren fast verdoppelt – trotz des neuen Trends zu vegetarischem und veganem Essen.

Weil auch die Fleischkonzerne wissen, dass das System an seine Grenzen stößt, wird an Alternativen geforscht: Ersatz für Fleisch und Fisch, aber auch Fleisch ohne den Umweg über ein Tier. Schon jetzt trägt die globale Tierhaltung mehr zu Klimagasen bei als der weltweite Autoverkehr. Das ist neben der eigenen Gesundheit und dem Wohl der Tiere für immer mehr Menschen ein Grund, auf Fleisch aus Massentierhaltung zu verzichten.

„37°“ in der ZDFmediathek: https://zdf.de/dokumentation/37-grad

„37°“ bei Facebook: http://facebook.com/ZDF37Grad

„37°“ bei Instagram: https://instagram.com/zdf37grad

Web: ZDF.de

Neue Bundesregierung soll Trophäenjagd einen Riegel vorschieben

Deutschland importiert EU-weit die meisten Jagdtrophäen und liegt weltweit an zweiter Stelle

Berlin (ots) Mit einer Aktion vor dem Reichstag forderte die Tierschutzorganisation Humane Society International/Europe (HSI) ein gesetzliches Importverbot für Jagdtrophäen geschützter Arten. Anlässlich der heutigen konstituierenden Sitzung des neuen deutschen Bundestags trafen die frisch gewählten Parlamentarier*innen und die kommende Bundesregierung auf ein lebensgroßes Nashorn und einen Löwen – beide als Jagdtrophäe für den Postversand verpackt.

HSI Aktion gegen den Import von Jagdtrophäen vor dem Reichstag

Über starke Bilder wurde deutlich, dass jedes Jahr hunderte Jagdtrophäen nach Deutschland importiert werden. Dies geschieht legal, obwohl viele dieser Arten international geschützt und oftmals vom Aussterben bedroht sind.

Unter dem Motto #NotInMyWorld macht HSI/Europe mit der neuen Kampagne auch in den sozialen Medien gegen die veraltete und grausame Trophäenjagd mobil.

„Die neue Bundesregierung und der Bundestag müssen endlich dem Vorbild anderer Länder folgen und mit einer gesetzlichen Regelung dafür sorgen, dass es keine Importe von Jagdtrophäen geschützter Arten mehr gibt. Andere europäische Länder sind da schon viel weiter“, sagt Sylvie Kremerskothen Gleason, die Landesdirektorin Deutschland von HSI/Europe. Sie berichtet: „Allein zwischen 2014 und 2020 hat Deutschland mehr als 5.400 Jagdtrophäen geschützter, bedrohter und gefährdeter Arten ins Land gelassen. Darunter Elefanten, Löwen, Giraffen, Eisbären und sogar zwei der besonders stark gefährdeten Spitzmaulnashörner. Trophäenjäger*innen sind eine sehr kleine Minderheit, für die bisher Klientelpolitik zulasten bedrohter Tiere betrieben wurde.“

Die Trophäenjagd ist international umstritten und hat zahlreiche negative Effekte, die wissenschaftlich belegt sind. Nach einer repräsentativen Befragung vom März dieses Jahres lehnen neun von zehn Befragten in Deutschland diese Form des Jagdtourismus ab. Hinzu kommt, dass Deutschland laut einem HSI-Bericht auf Grundlage offizieller CITES-Daten von Trophäenimporten geschützter Arten weltweit hinter den USA den zweiten Platz einnimmt und in Europa mit weitem Abstand vor Spanien auf Platz eins der Importländer liegt. Kritiker werfen Trophäenjäger*innen vor, damit das Aussterben bedrohter und gefährdeter Arten zu beschleunigen sowie überholte, oft grausame Jagdpraktiken, wie die Jagd mit Pfeil und Bogen oder sogar Armbrust, zu befördern.

Über ein Importverbot von Jagdtrophäen geschützter Arten wollen die Tierschützer*innen die Jagd auf bedrohte und gefährdete Arten im Ausland weniger attraktiv machen und damit zum Schutz dieser Arten beitragen. In einer Zeit, in der die Natur ums Überleben kämpft und durch den Menschen ständig ausgebeutet wird, dürfe das Aussterben faszinierender Tiere nicht noch durch den Jagdrausch Einzelner verstärkt werden, so Sylvie Kremerskothen Gleason von HSI.

Hintergrund:

Humane Society International/Europe (HSI)

HSI Europe ist Teil der Humane Society International, eine der größten Tierschutzorganisationen der Welt, die 1991 in den USA gegründet wurde und in über 50 Ländern aktiv ist. Durch wissenschaftliche Studien, Aufklärungsarbeit, Bildungsangebote und Einsätze vor Ort bringt HSI die Beziehung zwischen Mensch und Tier in den Fokus, rettet und schützt Hunde und Katzen, verbessert die Lebensbedingungen von Tieren, die in der Massentierhaltung leben müssen, schützt Wildtiere, unterstützt tierleidfreie Forschung und greift bei Naturkatastrophen ein.

Seit 2020 hat HSI/Europe auch ein Büro in Deutschland und bereichert die Debatten zu Tierschutz und einer nachhaltigen zukunftsfähigen Lebensweise.

www.hsi.org

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Zum Welttierschutztag am 4. Oktober: Vorfahrt für den Großen Ameisenbären

Stein (ots) In den Forsten von Faber-Castell in Brasilien ist eine vielfältige Fauna aktiv. Das ist so gewollt und geplant: Die Tiere werden seit Jahrzehnten hier geschützt. Dadurch hat die Artenvielfalt über die Jahre sogar deutlich zugenommen.

Der Große Ameisenbär ist Bewohner der Faber-Castell’schen Wälder in Südwesten Brasiliens. Andernorts ist er vom Aussterben bedroht.

Jeden Abend sitzen die Vögel im Baum. Der Baum steht auf einer freien Fläche, ein paar hundert Meter weiter beginnt der Wald. Und der Baum hier ist kein Zufall, wie die Forstingenieurin Kelen Pedroso erklärt. Die Bäume helfen den Vögeln beim Überflug und bieten ihnen einen willkommenen Rastplatz. Pedroso arbeitet im Forst von Faber-Castell im Südwesten von Brasilien, im Bundesstaat Minas Gerais. 10.000 Hektar Waldfläche befinden sich hier, für die Produktion von Bleistiften und Buntstiften. Über zwei Milliarden Stifte produziert Faber-Castell jährlich, der größte Anteil daran stammt hier von den Kiefern in Brasilien. „Wenn wir Bäume fällen, wir lassen immer ein paar für die Vögel stehen“, sagt Pedroso.

Seit über 40 Jahren nachhaltige Waldbewirtschaftung

Vor etwa 40 Jahren bereits entschied sich Faber-Castell hier in Brasilien eigene Forste anzulegen. Die Region hier ist eine Savanne, sechs Monate im Jahr fällt wenig oder gar kein Regen, der Boden ist trocken. Die Pinus caribaea hondurensis, eine karibische Kiefer, gedeiht trotzdem hier. Sie kann Dürrezeiten überstehen und wächst schnell. Schnell für einen Baum. Zwanzig Jahre benötigt es, bis die Kiefer ausgewachsen ist. Und nicht das gesamte Areal hier besteht aus Kiefern. Etwa ein Viertel ist einheimische Vegetation und wird nicht zur Holzproduktion genutzt. „Wir wirtschaften nach FSC®-Zertifikat“, sagt Pedroso. Der Forest Stewartship Council (FSC) vergibt seine Zertifikate nur an jene, die nachhaltig und sozialverträglich Wälder bewirtschaften, und das heißt zum Beispiel: Pflanzen und Tiere schützen.

Sorgfältige Dokumentation der Artenvielfalt

Seit Anfang der 90er Jahre registrieren und analysieren Experten die Artenvielfalt auf dem Gelände von Faber-Castell. Sie zählen die Tiere mit Hilfe von versteckten Kameras auf dem Gelände oder kleinen Amphibienfallen. So existieren aussagekräftige Statistiken, die rund 30 Jahre umspannen. Die Zahl der verschiedenen Säugetierarten hat sich in dieser Zeit fast verdreifacht, von 30 auf etwa 80 Arten. Die Zahl der Vogelarten hat sich verdoppelt auf rund 270. Forstarbeiten finden immer von der Straße Richtung Wälder statt, sodass sich dort aufhaltende Tiere in Ruhe zurückziehen können. Angesichts des langen Wachstumszyklus der Bäume sind viele der Pinienforste über Jahre weitgehend unberührt. Holz ist ein Rohstoff, der Zeit braucht, Geduld und Ruhe.

Begegnungen mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten

Den eigentlichen Rückzugs- und Lebensraum bilden ohnehin die heimatlichen und unberührten Waldstücke. Die Bewegungskamera schießt immer wieder Schnappschüsse von Pumas, gelegentlich auch von beeindruckenden Großen Ameisenbären. Vor einiger Zeit stießen Mitarbeiter auch auf eine 13 Meter lange Würgeschlange. Ein Exemplar, von dem selbst Tierwissenschaftler sagten, sie hätten so etwas in vielen Jahrzehnten selten gesehen. Eines der Indizien dafür, dass die Tierwelt in der Gegend intakt ist. Ebenso wie die über 200 verschiedenen Arten von Ameisen. Denn insbesondere Insekten sind ein hilfreicher Bio-Indikator.

Gezählt und geschützt werden auch die verschiedenen Pflanzen und Baumarten, überprüft wird regelmäßig die Wasserqualität des Areals. Gerade die kleinen Bäche sind von wichtiger Bedeutung – hier auf dem Gelände von Faber-Castell bleiben sie unberührt. Experten von Faber-Castell besuchen Schulen in der Umgebung oder sprechen mit den Besitzern der Nachbargrundstücke. „Seit Jahrzehnten betreiben wir in Gemeinden und landwirtschaftlichen Betrieben auch wichtige Aufklärungsarbeit zum Thema Umwelt und Biodiversität“, so Pedroso. Diese langjährigen Bemühungen um Nachhaltigkeit erfahren immer mehr öffentliche Wertschätzung. Seit kurzem gehört Faber-Castell zu den deutschen Unternehmen, die „der Gesellschaft einen besonders hohen Mehrwert“ bieten und den „Dreiklang aus ökologischer, sozialer und ökonomischer Verantwortung“ meistern. Das geht aus der Studie „Deutschlands wertvollste Unternehmen“ des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) hervor.

Besuchen Sie unser Online-Magazin auf
unserer Website: www.faber-castell.de/corporate/magazin

Flöhe: Undercover bis aufs Sofa

Wenn es draußen ungemütlich wird, findet auch die Freigängerkatze immer öfter ihren Weg nach Hause …

Bonn (ots) Doch nicht immer kommt sie allein. Auch Flöhe lieben es kuschelig warm und nutzen das Fell der Katze, um unerkannt in Wohnung und Haus zu gelangen.

Vor allem Katzen, die sich viel im Freien aufhalten, sollten vor Flohbefall geschützt werden, ganz besonders dann, wenn die Tage kälter werden. / Flöhe: Undercover bis aufs Sofa

Flöhe gehören zu den Ektoparasiten, also zu den Parasiten, die es sich außerhalb des Tieres, etwa im Fell oder auf dessen Haut, gemütlich machen. Der Floh ist nicht nur lästig, sondern kann sogar gefährlich werden, weil er mit seinem Stich schwerwiegende Krankheiten übertragen kann, auch auf den Menschen. Neben allerlei Infektionen können Flöhe bei sensiblen Tieren auch eine Flohspeichelallergie auslösen. Es lohnt sich also in jedem Fall, sein Tier regelmäßig auf Flöhe hin zu untersuchen, oder noch besser, ganzjährig vor den lästigen Parasiten zu schützen.

Die häufigste Flohart bei der Katze ist der Katzenfloh (Ctenocephalides felis), der ebenfalls Hunde und andere kleinere Heimtiere befallen kann. Katzenflöhe verschmähen auch den Menschen nicht, wenn es um die nächste Blutmahlzeit geht. Weitere Floharten, die die Katze befallen können, sind der Hundefloh (Ctenocephalides canis) und der Igelfloh (Archaeopsylla erinacei). Seltener kommen Geflügelflöhe (Echidnophaga gallinacea), der Kaninchenfloh (Spilopsyllus cuniculi) sowie der Menschenfloh (Pulex irritans) bei der Katze vor.

Flöhe sind zwar ganzjährig aktiv, im Herbst und Winter finden sie in geheizten Wohnräumen jedoch allerbeste Entwicklungsbedingungen. Sie können sich dann, oftmals zunächst unbemerkt, explosionsartig vermehren. Hat sich die Flohgesellschaft erst einmal in Ritzen, Teppichböden und Polstern festgesetzt, wird man sie so leicht nicht mehr los. Wenn die Katze beginnt, sich auffällig oft zu kratzen, kann es also schon zu spät sein. Sehr leicht entzündet sich die Haut an den Kratzstellen, unbehandelt kann sich daraus vor allem bei allergischen Tieren eine schwerwiegende Dermatitis entwickeln. Für eine Flohspeichelallergie-bedingte Hautentzündung ist häufig sogar nur ein einziger Flohstich nötig.

Katzenflöhe stechen auch den Menschen. Der Stich verursacht oftmals starken Juckreiz oder allergische Reaktionen. Viel schlimmer ist, dass ein Floh Krankheitserreger auf den Menschen übertragen kann, wie den Erreger einer mit Hautveränderungen einhergehenden Fiebererkrankung (Rickettsia felis), den Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum) oder den Erreger der Katzenkratzkrankheit (Bartonella henselae). Flohstiche liegen meist in einer linienförmigen Dreiergruppe, auch Flohstraße genannt.

Der ganzjährige Schutz der Katze vor Flöhen ist deshalb sehr wichtig. Hierzu stehen speziell für die Katze zugelassene Präparate zu Verfügung. Ein besonderes Augenmerk sollte man auch auf die Umgebungshygiene innerhalb der Wohnung richten, also auf die Orte, an denen sich die Katze mit besonderer Vorliebe aufhält. Flohpräparate für Hunde dürfen bei der Katze wegen bestehender Unverträglichkeiten nicht angewendet werden. Auch Hausmittel, die oftmals empfohlen werden, sind nicht geeignet, über den Flohzirkus Herr zu werden. Sie können sich sogar schädlich auf die Gesundheit des Haustigers wirken.

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Epilepsie: Gewitter im Kopf – Die Epilepsie ist eine schwere Erkrankung bei – ansonsten gesund wirkenden – Hunden

Bonn (ots) Sie ist nicht heilbar, aber die Symptome lassen sich durch eine konsequente Medikation spürbar mildern.

Es gibt immer ein erstes Mal. Nicht immer wünscht man sich, dass es danach noch einmal geschieht. Der erste epileptische Anfall eines Hundes ist für Hundebesitzer ganz sicher eine schreckliche Erfahrung.

Nach einem Anfall reagieren die Tiere unterschiedlich. Oftmals sind sie erschöpft oder wirken benommen.

Es sind gar nicht so wenige Hundefreunde, die dies erleben. Denn die Epilepsie ist die häufigste chronische neurologische Erkrankung beim Hund. Immerhin 1 bis 2 % aller Hunde leiden an dieser Krankheit, manche Quellen sprechen sogar von 5 %. Es sind zudem nicht unbedingt die alten, krankheitsanfälligeren Tiere betroffen. Epilepsie wird in der Regel in den ersten fünf Lebensjahren diagnostiziert.

Bleibt es bei einem einzigen Krampfanfall, kann dieser viele Ursachen haben. Stoffwechselerkrankungen können einen Epilepsieanfall beispielsweise auslösen, aber auch Infektionen oder Vergiftungen. Diese symptomatische Epilepsie verschwindet, sobald die krankheitsbedingten Ursachen erfolgreich therapiert worden sind.

Wiederholen sich jedoch die Anfälle in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen und werden andere Ursachen ausgeschlossen, spricht man von einer idiopathischen Epilepsie. Davon sind die meisten mit Epilepsie diagnostizierten Hunde betroffen. Rassehunde erkranken öfter daran als Mischlinge. Das deutet darauf hin, dass die Krankheit erblich ist. Von den Anfällen abgesehen, erscheinen diese Hunde völlig gesund. Epilepsieanfälle sind das Ergebnis übermäßiger elektrischer Aktivität im Gehirn. Sie reichen von sehr mild mit leichten Muskelzuckungen bis zu schwerwiegend mit heftigen Krämpfen und Bewusstlosigkeit. Die Anfälle dauern unterschiedlich lang, meist aber nur wenige Minuten, treten unregelmäßig auf und sind in der Regel schmerzfrei für den Hund. Es besteht auch kein Zusammenhang mit körperlicher Anstrengung. Somit ist die Aktivität des Hundes nicht eingeschränkt.

Anfälle kündigen sich kaum wahrnehmbar an. Die sehr unspezifischen Symptome können Verhaltensänderungen sein, die sich vom Hundehalter zunächst nur schwer zuordnen lassen. Nach einem Anfall sind die Tiere erschöpft, reagieren anders als gewohnt, wirken benommen oder entwickeln einen großen Hunger.

Wird Epilepsie diagnostiziert, ist das für Hundehalter zunächst ein Schock, denn diese Krankheit ist nicht heilbar und bleibt Teil des gesamten Hundelebens. Es gibt jedoch Medikamente, die die Häufigkeit und die Schwere von Anfällen lindern können. Die optimale Einstellung des Tieres kann mehrere Wochen oder auch einige Monate dauern. Die vom Tierarzt verschriebene Medikation muss unbedingt eingehalten werden, um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden. Nicht immer gelingt dies den Hundehaltern. Auch dies führt dazu, dass fast 40% aller Hunde mit Epilepsie über kurz oder lang wegen einer unzureichenden Anfallskontrolle eingeschläfert werden müssen.

Während eines epileptischen Anfalls selbst kann der Hundehalter nur wenig tun. Die Anfälle lassen sich durch nichts stoppen. Man sollte möglichst alle Gegenstände entfernen, an denen sich der Hund verletzen kann und für ein ruhiges Umfeld sorgen. Die genaue Beobachtung und Dokumentation sind wichtig. Geeignet ist ein Epilepsie-Tagebuch, das der Tierarzt zur Verfügung stellen kann. Hilfreich kann auch ein Handy-Video sein, das dem Tierarzt wichtige Erkenntnisse über den Krampfverlauf liefert. Das A und O aber bleibt die konsequente Medikamentengabe. Dann verliert die Epilepsie ihren Schrecken und ein relativ unbeschwertes Zusammenleben mit dem Hund bleibt möglich.

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