Fleisch vom Metzger vs. Bio-Fleisch von Lidl, Aldi und Co. I Ökochecker SWR

Im vergangenen Jahr ging unser Fleischkonsum zur Freude von Umwelt & Klima zurück: Mit 57,3 Kilogramm pro Person war der Konsum so niedrig wie noch nie seit Berechnung des Verzehrs im Jahr 1989.

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Trotzdem bleiben wir Fleisch-Fans! Dabei stehen viele Konsumenten in der „Geiz ist geil“-Manier vor allem auf eins: supergünstiges Fleisch! Auch beim Discounter gibt’s Bio, aber: Bei Schweine- und Geflügelfleisch liegt der Bio-Anteil bei unter 1 Prozent. Bei Rindfleisch sind es knapp über 3 Prozent. Aber wie hoch sind diese Bio-Standards bei den Discountern wirklich? PRÄDIKAT METZGER – WIRKLICH SO GUT? Bei Vielen von uns hat der Metzger ein gutes Standing, auch ohne Siegel. Ob das wirklich so ist, schaut sich Ökochecker Tobias bei Landwirtin Dhana Schwarz in Königswinter genauer an. Hier gibt es nicht nur eine Metzgerei, sondern auch den passenden Hof dazu. Man kann den Weg vom Stall, übers Schlachthaus bis hin zur Metzgertheke nicht nur sehen, sondern in wenigen Minuten abschreiten. Dieses Konzept ist sehr selten. Ein Siegel hat die Landwirtin nicht. Das hat einen einfachen Grund: Siegel sind teuer. Im Handel sorgt das freiwillige „Tierwohl-Label“ für eine Einordnung. Die Haltungsformen 1 bis 4 zeigen, wie die Tiere gelebt haben. 1 ist der gesetzliche Mindeststandard. Am besten geht es den Tieren in Haltungsstufe 4. Die Kriterien für das EU-BIO-Siegel liegen nochmal darüber. Obwohl Dhanas Betrieb nicht zertifiziert ist, haben die Tiere hier in den Augen von Tobi ein halbwegs gutes Leben, bekommen sehr wenige Medikamente und haben durch den nicht vorhandenen Transportweg kaum Stress im Vorfeld der Schlachtung. Zudem werden sie gut gefüttert, in der Regel mit Produkten aus der eigenen Landwirtschaft. DAS FUTTER In der konventionellen Tierhaltung wird meistens Soja gefüttert. Das kommt oft aus Regionen, in denen dafür Regenwald abgeholzt wird und eine Menge Pestizide versprüht werden. Beim EU-Bio-Siegel dürfen die Futter-Pflanzen gar nicht mit Pestiziden behandelt werden. Außerdem müssen sie zum Großteil vom eigenen Feld kommen. DIE SCHLACHTUNG Ohne Bio-Schlachtung gibt’s auch kein Bio-Siegel. Die Bio-Verordnung ist allerdings eher schwammig. So schreibt sie nur vor, dass ein Leiden der Tiere bei der Schlachtung so gering wie möglich zu halten ist. Je länger der Weg zur Schlachtung, desto mehr Stress haben die Tiere. Kauft man Fleisch mit dem EU-Bio-Siegel, sind die Tiere maximal vier Stunden oder 200 Kilometer zur Schlachtung gefahren. Bei konventionellem Fleisch können es acht Stunden ohne Pause sein. DISCOUNTER BIO BESSER ALS SEIN RUF? Bio-Fleisch aus dem Discounter ist empfehlenswert, denn es ist Bio-Fleisch, das den EU-Bio-Richtlinien unterliegt, verrät Dr. Petra Teitscheid von der FH Münster. Das besagt unter anderem, dass sechs Hühner mindestens einen Quadratmeter Platz im Stall bekommen und die Tiere müssen raus können. Bio-Schweine bekommen je nach Gewicht mindestens 0,8 Quadratmeter im Stall und 0,6 Quadratmeter draußen. Bei Milchkühen sind es im Stall mindestens sechs Quadratmeter und 4,5 Quadratmeter Auslauf pro Tier. Außerdem gibt es Richtlinien für das Futter. Diese Regeln gibt es für Tiere aus konventioneller Haltung nicht. Auch bekommen sie weitaus weniger Platz zur Verfügung und es gibt keine Vorschriften zum Auslauf im Freien. In der konventionellen Massentierhaltung kommen überdies meist viele Medikamente zum Einsatz, die in der Bio-Haltung verboten sind. Auch das ist ein wichtiges Plus. IST METZGERFLEISCH AUTOMATISCH BESSER? Nein, sagt Dr. Petra Teitscheid. Das Fleisch vom Metzger kann theoretisch auch vom Großhandel oder aus der gleichen Massentierhaltung stammen, wie das Billigfleisch aus dem Supermarkt. Man sollte also genau hinschauen und aktiv in der Metzgerei nachfragen: Woher kommt das Fleisch genau? Wie haben die Tiere gelebt? Können die Angestellten darauf antworten, ist das ein gutes Zeichen. Wenn man auf Siegel achten möchte, dann sind die Siegel Demeter und Bioland strenger als das EU-Bio-Siegel. Allerdings findet man diese nicht im Discounter, sondern eher im Bio-Markt. QUELLEN: ► Initiative Tierwohl „Was die vier Stufen der Lebensmittelkennzeichnung Haltungsform bedeuten“ (2019), Online unter: https://bit.ly/32daC55 ► BUND „Mit Brief und (Bio-)Siegel: Welche Kennzeichnung von Lebensmitteln ist empfehlenswert?“ Online unter: https://bit.ly/3seJltD ► Greenpeace „Siegelcheck Rind“, Online unter: https://bit.ly/3di9GTr Autor: Maurice Kaufmann Schnitt: Sven Lude Redaktion (solisTV) : Sarah Weihsweiler Redaktion (SWR): Inga Vennemann, Holger Conzelmann Bildquelle:
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