Herr der blühenden Gärten – Karl Foersters Erbe wird im egapark gehütet

Erfurt (ots) Die Natur ein wenig nach dem eigenen Maß zu formen, neue Pflanzensorten entstehen zu lassen – das muss eine erfüllende Beschäftigung sein. Wie sonst lässt es sich erklären, dass ein unermüdlicher Züchter und Gärtner wie Karl Foerster das biblische Alter von 96 Jahren erreichte? Etwa 370 Züchtungen, allen voran Rittersporn und Phlox, sind ihm im Laufe seiner Tätigkeit gelungen, von denen etwa ein Drittel noch heute im Handel ist. Wer Stauden liebt, kommt am Altmeister nicht vorbei.

Karl Foerster in dem nach ihm benannten Terrassengarten mit Domblick

Karl Foersters Erbe in Reinkultur findet der interessierte Gartenfreund im egapark Erfurt, im Staudengarten, der seit 1963 die Vielseitigkeit und Schönheit der Stauden präsentiert. Der Schaugarten ist in weiten Teilen in seinem Ursprungszustand erhalten geblieben. Er gliedert sich ansteigende Terrassen am Nordhang, z.B, Heidegarten, Steingarten, Farngarten, Wassergarten und mehrere Staudengärten mit klassischer und moderner Pflanzenverwendung. Bis zur Bundesgartenschau Erfurt 2021 wurde er mit der Unterstützung vieler Partner saniert und überarbeitet. Die denkmalgeschützten Pergolen und die typischen Waschbetonmauern erstrahlen in neuen Glanz und verleihen dem Garten das typische Flair der 1970-er Jahre. Die unteren Terrassen sind vom Geist der Foersterschen Gartengestaltung geprägt. Angelegt wurde der Karl-Foerster-Garten von seinen Schülern Walter Funcke und Hermann Göritz, die zum engen Bornimer Kreis um den Staudenpapst gehörten.

Runde Wasserbecken im Wassergarten nehmen die Formen der Pflanzgefäße vom egapark-Festplatz auf, es sind dieselben Klöpperböden, in denen auf dem Festplatz des Gartenparks Sommerblumen blühen. Im Sinne von Karl Foerster sind Stauden in den Beeten kombiniert. Der zentrale Bereich bleibt in seinen historischen Strukturen erhalten. Die umfangreichen Staudenschauflächen sollen ausschließlich die Foerster-Themen „Staudenzüchtung“ sowie „Pflanzenverwendung“ und „Gartenpoesie“ anschaulich präsentieren.

Der mit Bäumen bestandene Böschungsbereich zwischen den Schauflächen und der alten Gothaer Straße ist den Themen moderner, großzügiger Staudenverwendung gewidmet.

Blütezeit im Karl-Foerster-Garten

Im oberen Bereich lädt ein neuer Pavillon dazu ein, das Lebenswerk des Staudenpapstes zu entdecken. In Richtung Japanischer Garten schließen Beete mit moderner Staudenverwendung den Karl-Foerster-Garten ab. Auf denen sind Phlox und Rittersporn zu Hause, so wie es Karl Foerster auch auf seinen Beeten plante. Gartengestaltung hatte bei Foerster einen gewissen Pragmatismus: Es sollten „Gärten für intelligente Faule“ entstehen, wie er es selbst nannte. Ziel der Züchtung war deshalb – neben der Schönheit der Blüten – den Pflegeaufwand so gering wie möglich zu halten. Die Stabilität und das Größenwachstum der Pflanzen wurde verbessert, die Anfälligkeit für Krankheiten und die Dürre- und Frostempfindlichkeit verringert. Dennoch bleibt Rittersporn eine Herausforderung für jeden Freizeitgärtner.

Wolfgang Kauz, Schüler Karl Foersters, inmitten des Rittersporns im egapark

„Ein Garten ohne Rittersporn ist ein Irrtum“, wird der Altmeister häufig zitiert. Folglich finden sich im Karl-Foerster-Garten des egaparks auch Züchtungen des großen Gärtners und seiner Schüler wie Wolfgang Kauz. Der folgte als junger Gärtner dem Rat des Staudenpapstes und züchtete Rittersporn. Die attraktive, aber etwas schwierige Gartenschönheit hat ihn ein Leben lang begleitet. Auf der Erfurter BUGA nahm er unlängst die Große Goldmedaille für seine Ritterspornzüchtungen mit nach Hause.

Neben dem züchterischen Schaffen sind vor allem Karl Foersters Zitate aus einem seiner 29 Bücher beliebt. Der Staudenpapst blickte am Ende seines erfüllten Lebens nicht nur auf ein enormes gärtnerisches Werk zurück, sondern auch auf einen reichen literarischen Fundus. Im Karl-Foerster-Garten des egaparks ist beides zu finden, für Staudenliebhaber und Fans des Gartenpoeten.

Der Rittersporn und Karl Foerster sind Bindeglieder zwischen Erfurt und Potsdam-Bornim, wo Foerster lebte und arbeitete. An beiden Orten gibt es beachtete Karl-Foerster-Gärten. Im Potsdamer Areal gehören die Arbeiten der Keramikkünstlerin Dorothea Nerlich zum edlen Schmuck. Für die neu gestalteten Terrassen des Erfurter Karl-Foerster-Gartens spendete sie jetzt eine besondere Skulptur, die mit ihrer Durchbrochenheit wunderbare Durchblicke in den Garten und auf den Erfurter Dom erlaubt. Sie soll das Erlebnis eines Gartenbesuchs bereichern und die über Jahrzehnte gepflegten Verbindungen zwischen Potsdam und Erfurt in gartenkünstlerischer Hinsicht darstellen. Damit schließt sich beinahe sprichwörtlich der Bornimer Kreis.

Web: buga2021.de