Museumsöffnung und Wiedereröffnung der Ausstellung „Writing the History of the Future“

Karlsruhe (ots) Mit Museumsöffnung am 28. Mai 2021 ist zum ersten Mal seit August 2020 auch die Ausstellung Writing the History of the Future. Die Sammlung des ZKM wieder zu erleben. Neben den historischen Meisterwerken der einzigartigen Medienkunstsammlung werden in der Ausstellung nun auch Werke der derzeit vieldiskutierten „Crypto Art“ präsentiert. Die Ausstellung bietet damit einen aktuellen Überblick über die Geschichte der digitalen Kunst von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart.

Ausstellungsansicht Alberto Biasi, „Light Prisms“, „Cinereticolo spettrale“, 1962-1965

Die luftige Architektur und weiten Räume des ehemaligen Industriegebäudes bieten optimale Voraussetzungen für einen Ausstellungsbesuch unter Corona-Bedingungen. Interaktive Installationen sowie Werke der Video- und Klangkunst stellen für Ausstellungshäuser wie das ZKM jedoch eine besondere Herausforderung dar, da die Werke normalerweise mit den Händen berührt oder in Boxen präsentiert werden. Das ZKM hat in den vergangenen Monaten daher eine Reihe technischer Lösungen entwickelt, um auch diese Werke unter Wahrung der Hygieneregeln wieder zugänglich zu machen. Dafür wurden Videoinstallationen mit speziellen Luftfiltern und Ampelsystemen ausgestattet und auch auf Kopfhörer kann nun zur Gänze verzichtet werden, da das ZKM diese durch ein selbst entwickeltes berührungsloses Soundsystem mit Bewegungsmeldern ersetzt hat. Der Ton wird hörbar, sobald die Besucher:innen vor dem Werk stehen. In allen Ausstellungsräumen stehen darüber hinaus zahlreiche Spender mit Desinfektionsmittel zur Verfügung.

Crypto Art

Seit 2014 ist es möglich, digitale Bilder mit Hilfe der Blockchain-Technologie zu zertifizieren und auf diese Weise Unikate herzustellen, so genannte NFTs (Non-Fungible Tokens). Bereits 2018, lange vor den spektakulären, millionenschweren Verkäufen dieser zertifizierten Bilder, hatte das ZKM erste NFTs erworben. Damit zählt das ZKM neben dem Museum für angewandte Kunst in Wien zu den ersten zwei Museen weltweit, die ihre Sammlung für dieses neue Format geöffnet haben, das die Ökonomie der Kunst nachhaltig verändern wird. Seit Anfang April sind ausgewählte Beispiele der Sammlung und Leihgaben in den Räumen von Writing the History of the Future sowie auf dem Screen des ZKM-Kubus zu sehen. Das besondere Interesse des ZKM gilt dabei den „on chain“-NFTs: Hier wird in der Blockchain nicht nur das Zertifikat abgespeichert, das auf die Besitzverhältnisse verweist. Bei dieser Art der NFTs ist das Werk selbst in der Blockchain hinterlegt, genauer gesagt, der Code, der das Werk generiert. Die Ausstellung zeigt daher Schlüsselwerke der generativen „on-chain“-Kunst, unter anderem die ersten „on chain“-Werke: die Autoglyphs (2019) von John Watkinson und Matt Hall, den Schöpfern der berühmten CryptoPunks. Die Präsentation der aktuellen Crypto Art neben den Werken der Pioniere der digitalen Kunst der 1960er-Jahre ist kein Zufall. Die junge Künstler:innen-Generation sieht sich in der Tradition der frühen generativen Kunst.

Schlüsselwerke der kybernetischen Kunst

Die durch die Pandemie bedingte, temporäre Schließung der Ausstellung wurde außerdem genutzt, um ein weiteres historisches Schlüsselwerk der Medienkunst zu installieren. Die Installation Dynamic Object GF.E 16.4 CNSM von Vladimir Bonacic (1938-1999), die zwischen 1969 und 1971 entwickelt wurde, zählt zu den frühesten Beispielen der Verwendung von Computertechnik in den Künsten. Das Werk visualisiert bzw. akustifiziert Galois-Feld-Strukturen in Form von Licht- und Klangmustern von faszinierender Schönheit. Galois-Felder sind ein Teil der abstrakten Algebra und sonst nur in komplexen mathematischen Formeln erfassbar. Sie sind unter anderem in der Kryptographie von großer Bedeutung. Da in den 1960er-Jahren tragbare und bezahlbare Universalcomputer ebenso wenig verfügbar waren wie farbige Monitore, konstruierte der Kybernetiker Vladimir Bonacic spezielle Hardware, um seine Vision einer kybernetischen Kunst realisieren zu können. Anlass für die künstlerischen Experimente, die auf der wissenschaftlichen Forschung von Bonacic basierten, war das Computerkunstfestivel Tendencies 4. Computers and Visual Research, das 1968 – zeitgleich mit der Londonder Ausstellung Cybernetic Serendipity – in Zagreb begann.

Weitere Informationen zum Besuch, zur Ticketbuchung und zu den Schutzmaßnahmen vor Ort finden Sie hier: zkm.de/hinweise-fuer-ihren-besuch

Die Ausstellung wurde in ihrer ursprünglichen Szenografie und Kuration in einem 360°-Rundgang dokumentiert. Wir bieten weiterhin die Online-Audioguides sowie aufgezeichnete Videoführungen durch die erste Gestalt der Ausstellung an.