Intelligente Medizin als Wachstumsmotor für Deutschland.

Der Innovationsrat empfiehlt den zügigen Aufbau einer zentralen Datenzugangs- und Koordinierungsstelle (DACO) für eine zukunftsorientierte Medizinforschung und Produktentwicklung. Um sowohl Rechtssicherheit beim Zugang und Umgang mit repräsentativen Gesundheitsdaten als auch die Datensicherheit für Betroffene zu gewährleisten, empfiehlt der Innovationsrat die Datenschutzaufsicht in Deutschland dringend zu zentralisieren und von der Benennung vertrauenswürdiger Gesundheitsdateninhaber großzügig Gebrauch zu machen.

„Hohe Schutzstandards und schnelle Verfahren schließen sich derzeit in Deutschland aus, in unseren europäischen Nachbarländern nicht. Verlässliche Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und Cybersicherheit können nur dann zum Qualitätsmerkmal unserer Produkte werden, wenn diese in wettbewerbsfähiger Zeit entwickelt, zertifiziert und zugelassen werden. Entscheidend ist, dass Anforderungen praxistauglich umgesetzt werden und Innovationen nicht unnötig verlangsamen. Wenn staatliche Vorgaben sich nicht schnell genug an die Praxis anpassen, werden sie zum Bremsklotz“, sagt Prof. Dr. Jürgen Kühling, Mitglied des Innovationsrats und ehemaliger Vorsitzender der Monopolkommission. „Entscheidend für die intelligente Medizin der Zukunft sind ein verlässlicher Zugang zu Gesundheitsdaten sowie planbare und international attraktive Zulassungsverfahren. Hier braucht es jetzt eine zügige und praxistaugliche Umsetzung durch die Bundesregierung.“

Kapital für Skalierung mobilisieren

Deutsche Unternehmen weisen eine hohe Forschungsintensität auf, doch bei den absoluten F&E-Investitionen ziehen insbesondere US-amerikanische Wettbewerber davon: Von den 25 anmeldungsstärksten Unternehmen im Bereich Medizintechnik beim Europäischen Patentamt kommen 12 aus den USA und nur 4 aus Deutschland. Besonders in der Phase zwischen klinischer Validierung und industrieller Skalierung wird erhebliches und langfristig verfügbares Kapital benötigt. Der Innovationsrat empfiehlt, attraktive und stabile Rahmenbedingungen für Wachstumskapital zu schaffen und Forschungseinrichtungen, Kliniken, Start-ups, etablierte Unternehmen und Kapitalgeber stärker miteinander zu vernetzen. Ziel ist, mehr Ideen aus Deutschland und Europa zu erfolgreichen Produkten, Unternehmen und industrieller Wertschöpfung zu entwickeln. Dies erfordert planbare steuerlicher Forschungs- und Abschreibungsanreize, weniger Bürokratie sowie flexible und rechtssichere Rahmenbedingungen für forschungsintensive Entwicklungsprojekte.

Fachkräfte als Schlüssel

Studien zeigen eine Lücke zwischen der Bedeutung digitaler und KI-bezogener Kompetenzen und ihrer Verankerung in der medizinischen Ausbildung. Der Innovationsrat empfiehlt deshalb, KI-, Daten- und Softwarekompetenzen systematisch in die Aus- und Weiterbildung in Medizin und Pflege zu integrieren. Ebenso wichtig: Patientinnen, Patienten und medizinisches Personal müssen frühzeitig in Entwicklung und Erprobung neuer Technologien eingebunden werden, damit Innovationen im Versorgungsalltag ihre volle Wirkung entfalten.

„Es gilt, intelligente Medizin als strategisches Technologie- und Wachstumsfeld zu verstehen. Deutschland forscht in der Medizintechnik auf Weltniveau, doch es fehlen Tempo und Investitionen in der Umsetzung zu erfolgreichen Innovationen. Bei der bevorstehenden Gesundheitsstrukturreform sollte es daher nicht nur um die Verbesserung der Versorgung und Verringerung der Kosten im Gesundheitssystem gehen, sondern auch darum, die Weichen richtig zu stellen, damit in Deutschland aus guten Ideen auch erfolgreiche Unternehmen, Produkte und industrielle Wertschöpfung entstehen können“, sagt Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein, Mitglied des Innovationsrats und Präsident des VDI.

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VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.

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