Richtfest für “Sonnenhaus” erlaubt Blick in die Zukunft des Bauens in Wernigerode

Wernigerode (ots) Erstes GWW-Gebäude mit 100 Prozent nachhaltigem Energie-Konzept nimmt Gestalt an/Musterwohnungseröffnung für Mitte Februar angekündigt/Richtfestgäste würdigen Mut und Einsatz der GWW für nachhaltige Wohnangebote

Wernigerodes Oberbürgermeister Tobias Kascha (3.v.l.) und GWW-Geschäftsführer Christian Zeigermann (4.v.l.) inmitten der weiteren Projektträger beim Einschlagen des “letzten Nagels”. Bildrechte: Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode mbH Fotograf: Polyluchs

Mit einem zünftigen Richtfest und dem Richtspruch des obersten Zimmermanns läutete die Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode mbH, GWW, zusammen mit Vertretern aus Politik und Stadtgesellschaft sowie Projektbeteiligten am 6. Dezember 2023 die Halbzeit des Baus des innovativen Gebäudezuges “Sonnenhaus” am Wernigeröder Pappelweg ein. Alles läuft dabei nach Plan.

Das Sonnenhaus ist das erste Gebäude der GWW, das ohne knapper und teurer werdendes Gas beheizt werden wird. Hier werden nur nachhaltige Rohstoffe zur Energieerzeugung eingesetzt. Mit der Dreierkombination aus Solarthermie, Fotovoltaik und Pellet-Heizung beschreitet die GWW in Zeiten der Klimaerwärmung und der Energiekrise einen neuen Weg, der auch als Blaupause für eigene Bauprojekte und andere Stadtakteure dienen kann.

Uwe Zischkale, Abteilungsleiter für Energie, Nachhaltigkeit und Strukturwandel des Ministeriums für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, würdigte das Projekt zum Richtfest als mustergültig auch für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes.

“Das Erreichen der nationalen und internationalen Klimaschutzziele ist von der Wahl künftiger Energieträger und Energiesysteme abhängig. Sachsen-Anhalt strebt im Kontext mit den Klimaschutzzielen des Bundes bis 2050 eine ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltige Energiewende mit dem Ziel einer 100-prozentigen Energieversorgung aus erneuerbaren Energien an. Strom aus Wind-, Solar- und Bioenergie wird die tragende Säule einer klimaneutralen Energieerzeugung in allen Sektoren darstellen”, unterstrich er.

Neben der Stromerzeugung stelle die Wärmebereitstellung eine wesentliche Größe in der Energiewirtschaft dar. Im Sinne der Nachhaltigkeit und Klimaschutzziele sei ein zunehmender Einsatz erneuerbarer Energien in diesem Bereich in Form von Biomasse/Biomethan oder über regenerativ erzeugten Strom in Wärmepumpen notwendig. Wie die Umsetzung dieser Ziele in der Realität aussehen könne, zeige das GWW-Sonnenhaus eindrücklich. Das müsse Schule machen, so Uwe Zischkale.

Wernigerodes Oberbürgermeister Tobias Kascha lobte die Initiative der GWW: “Die Stadt ist stolz auf ihre Tochter, die nach 18 Jahren wieder ein neues Mehrfamilienhaus baut. Und nicht nur irgendeines, sondern eins, das ein innovativer Schritt in die Zukunft ist. Die Vorteile für die künftigen Mieterinnen und Mieter liegen auf der Hand. Die Sonne liefert Wärme und Strom immer zum selben Preis. Nachhaltige Projekte unterstützen wir als Stadt in jeder Hinsicht. Und wir freuen uns auf Nachahmer.”

“Im Herbst 2022 gab es im Aufsichtsrat einen einstimmigen Beschluss zur Errichtung des innovativen Sonnenhauses. Das Sonnenhaus ist in diesen Zeiten in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Wohnungsunternehmen trotz der Unsicherheiten durch Energiekrise und Zinsanstieg weiterbaut und sich von der Umsetzung seiner Vorhaben nicht abbringen lässt”, würdigte Uwe-Friedrich Albrecht, Stadtratspräsident und Stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der GWW, das Projekt. Vom Sonnenhaus gingen viele ermutigende Signale in die Stadtgesellschaft Wernigerodes aus.

GWW-Geschäftsführer Christian Zeigermann freute sich aus Anlass des Richtfestes, dass alles nach Plan läuft: “Im Pappelweg stand ein konventionelles Haus aus den 1950er-Jahren mit Kohleheizung. An diesem Platz entsteht nun unser ‘Sonnenhaus’, das die Zukunft des Bauens in Wernigerode beschreibt. Fachwerkhäuser, Fünfzigerjahre-Bauten, Plattenbau zusammen mit den neuen Energiearchitekturhäusern werden in naher Zukunft das Stadtbild der Harzmetropole prägen”, ist der GWW-Geschäftsführer überzeugt.

“Mit dem Sonnenhaus wollen wir als Stadt-Tochter Vorreiter in Wernigerode sein”, so der GWW-Geschäftsführer weiter. Das Gebäude werde stabile sichere Nebenkosten sichern, die weitgehend unabhängig von den aktuellen Marktpreisen seien. So sei man dem Markt nicht mehr ausgeliefert. Im Sonnenhaus entstünden 15 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe mit 2- bis 4-Raum-Wohnungen für unterschiedliche Mieter-Zielgruppen. Mehr-Generationen-Wohnen stehe im Vordergrund. “Die Jungen sorgen für die Alten mit, und die Alten können die Jungen unterstützen.” Das sei das Konzept, so Christian Zeigermann.

“Das Gebäude ist eine Kombination aus Solarthermie für die Wasserbereitung. Aus Fotovoltaik für die Stromerzeugung. Und mit Holz-Pellets und Pufferspeicher für die Wärmeerzeugung”, erläuterte GWW-Geschäftsführer Christian Zeigermann.

Bei Neubauten stelle die GWW jetzt energetische Konzepte in den Vordergrund. Angesichts der aktuellen energiepolitischen Diskussionen und Verteuerung sei das dringend geboten.

Auch weitere moderne Technik kommt im Sonnenhaus zum Einsatz. Jeder Stellplatz kann einen E-Anschluss bekommen, für den das Haus den Strom selbst erzeugt, sodass Mieterinnen und Mieter unabhängig von der E-Infrastruktur der Umgebung sind. Normalerweise können bisher nur Einfamilienhäuser diesen Service bieten, erzählt der GWW-Bauherr. Hier wird das nun erstmals auch ein Gemeinschafts-Wohnprojekt in Wernigerode bieten. Geplant ist auch ein Gemeinschafts-Fahrradraum mit E-Anschlüssen für Elektrofahrräder. Interessant ist darüber hinaus die Architektur. Sie folgt der maximalen Energieausnutzung der Sonne.

Das bedingt auch eine außergewöhnliche Architektursprache. So ist die Dachneigung streng nach Südwesten zur maximalen Sonnenaufnahme ausgerichtet. Das gibt dem Gebäude seine spannende Form.

Noch seien die Energiehäuser ja in der Experimentierphase. Christian Zeigermann ist überzeugt, dass die GWW mit dem Sonnenhaus die aktuelle Diskussion mitbestimmen wird. Das beginnt bei der Bauerfahrung bis hin zu Mietererfahrungen mit den neuen energetischen Bauten. Er ist sicher, dass auch die Wohnerfahrungen der Mieter*innen Teil des Experiments Solarhaus werden. Wird sich deren Leben verändern, abhängig von der Sonneneinstrahlung?

Vielleicht werden sie ihren Tagesablauf neu ausrichten. Wenn die Sonne aufgeht und viel Energie liefert, zum Beispiel die Waschmaschine anstellen und alle anderen Geräte, und wenn sie untergeht und weniger Energie liefert, dann vielleicht die weniger energieintensiven Dinge verrichten. “Wir sind gespannt, wie sich das entwickelt”, so Christian Zeigermann.

Kristin Grunewald, GWW-Prokuristin und Leiterin der Vermietung, lud aus Anlass des Richtfestes bereits zur Eröffnung der Musterwohnung im Sonnenhaus Mitte Februar ein. Die GWW präsentiere dann eine vollständig eingerichtete Wohnung, die eine Vorstellung vom Wohnen in dem innovativen Gebäude vermitteln werde. “Die Nachfrage nach modernen Wohnungen ist in Wernigerode nach wie vor hoch, und die GWW hat dabei auch in Zukunft viel zu bieten”, hob sie in ihrem Statement hervor. Man sehe das Sonnenhaus auch als ein Beispiel, wie die GWW neue Mieterzielgruppen erschließen könne. Umweltbewusstes Wohnen mit deutlich geringeren Nebenkosten. “Wer sich für das Wohnen im Sonnenhaus begeistert, kann sich bereits heute bei uns melden”, rief die Vermietungsleiterin auf.

Martin Jungandreas, Geschäftsführer der B & O Bau und Projekte GmbH Chemnitz, vermeldete als Generalunternehmer zum Richtfest Plantreue. Das Sonnenhaus sei zwar baulich eine Herausforderung. Aber der stelle man sich gerne. “Es gibt keine rechten Winkel. Und ganz individuelle Zuschnitte. Wir müssen beim Bau fast überall Sonderlösungen finden. Das ist ein hoher Anspruch für die Handwerkskunst. Die hohen Energiestandards wie Pellet-Heizung, Solarelemente und auch die E-Parkplätze – nichts ist von der Stange, alles ist technisch anspruchsvoll.”

Auch für die Planungs-und Genehmigungsbehörden in Wernigerode sei das Projekt eine Herausforderung, verwies der Wohnungsbauexperte. “Wir haben bisher eine gute Zusammenarbeit mit ihnen und sind zuversichtlich, dass alles weiter gut läuft.”